Immer wieder fragen mich Freunde und Kunden nach einer Alternative zu Gmail, der E-Mail Lösung von Google. Gmail funktioniert technisch hervorragend und hat deshalb auch ehemals starke Mitbewerber wie web.de / gmx.net / hotmail.com hinter sich gelassen.

Google als Datensauger

Gmail hat aber einen zentralen Nachteil, es unterliegt wie alle anderen Google/Alphabet Produkte dem Diktat des Google-Geschäftsmodells: Google parst, d.h. liest jede einzelne E-Mail um die dazu passende Werbung einzublenden. Das heisst natürlich nicht, dass ein Mitarbeiter von Google in die E-Mails schaut, es heisst aber sehr wohl, dass der Inhalt und die Metadaten der E-Mail nicht mehr privat und damit vor irgendwelchen Auswertungen sicher sind.
Was genau Google mit den Auswertungsdaten macht, wissen wir Außenstehende natürlich nicht. Recht wolkig heisst es hier in der Datenschutzerklärung:

"Our automated systems analyze your content (including emails) to provide you personally relevant product features, such as customized search results, tailored advertising, and spam and malware detection.
We may combine personal information from one service with information, including personal information, from other Google services – for example to make it easier to share things with people you know."

E-Mail inheränte Probleme

Neben diesem Google-spezifischen Problem gibt es auch eine Reihe weiterer Probleme die dem Design von E-Mail innewohnen. Das zur Mailübertragung genutzte SMTP-Protokoll wurde 1982 als Standard veröffentlicht. Damals waren die heutigen Problemstellungen (Werbemails, gefälschte Absender, Schadsoftware in E-Mails etc.) noch nicht absehbar.

Protonmail

Protonmail geht dieses Problem dadurch an, dass es im externen Verkehr zwischen Protonmail-Nutzern und Dritten auf gängige und gut verstandene Verschlüsselungssoftware setz: PGP/GPG.

Im ‘Inneren’, d.h. zwischen Protonmail-Nutzern läuft der Verkehr komplett verschlüsselt ab. Die Verschlüsselung geht soweit, dass mit höchster Wahrscheinlichkeit selbst Mitarbeiter der Proton Technologies AG deren Inhalt nicht lesen können.

Fazit & Empfehlung

Aus meiner Sicht ist das Angebot von Protonmail anderen Mitbewerbern überlegen. Zu nennen wären hier etwa die beiden deutschen Anbieter mailbox.org (Heinlein Support GmbH)und posteo.de (Posteo e.K.).
Beide betreiben seit Jahren einen sicheren Mail-Dienst der für die meisten Nutzer einen Euro pro Monat kostet.
Mit seiner sauberen Verschlüsselungsintegration und dem für private Nutzer kostenlosen Angebot dürfte Protonmail für die meisten Nutzer aber attraktiver sein.

Sollten Sie auf klassische E-Mail Programm auf dem Tischrechner oder dem Mobilgerät angewiesen sein (Stichwort IMAP/POP3/SMTP) dann empfehle ich mit gutem Gewissen sowohl Posteo als auch mailbox.org. Ich habe beide mehrere Monate lang eingesetzt und mich schließlich auf Grund sehr spezieller Anforderungen für mailbox.org entschieden.
Technisch steht Posteo dem aber in nichts nach, dort gefällt mir die Fokussierung auf ein reines E-Mail Angebot sogar etwas besser; mailbox.org ist mit seiner Groupware-Lösung etwas mehr auf Geschäftskunden ausgelegt.

In wie weit Protonmail, Posteo oder mailbox.org das Schicksal von Lavabit erspart bleibt, wird sich erst in Zukunft zeigen.